Download Die Dämonisierung der Anderen: Rassismuskritik der Gegenwart by María do Mar Castro Varela, Paul Mecheril PDF

By María do Mar Castro Varela, Paul Mecheril

Anschläge auf Unterkünfte von Geflüchteten, rassistische Übergriffe körperlicher und sprachlicher paintings, politische Maßnahmen, um Andere sterben zu machen, pauschale Urteile über die kollektive Rückständigkeit Anderer, Wahrnehmung und Erleben der Gefahr, die von ihren Körpern ausgeht ...
Die rezente mediale, politische und alltagsweltliche Behandlung von Flucht und Migration hat in Europa offenen Rassismus (wieder) »salonfähig« gemacht. Dieser setzt auch auf die Dämonisierung der imaginierten Anderen, die nicht zuletzt der Bewahrung von materiellen und symbolischen Privilegien dient. Weil die Anderen dämonisch und ungezügelt sind, so die vielleicht kürzeste Analyseformel, sind wir befugt, uns vor ihnen und unsere Vorrechte zu schützen.
Die Beiträge des Bandes klären diese Verhältnisse rassismuskritisch auf und widersprechen ihnen.

María do Mar Castro Varela ist Professorin für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit an der Alice Salomon Hochschule Berlin. Bei transcript u.a. erschienen: »Postkoloniale Theorie. Eine kritische Einführung« (2. Aufl. 2015, zus. mit Nikita Dhawan).
Paul Mecheril ist Professor für Migration und Bildung an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg und Direktor des dortigen heart for Migration, schooling and Cultural experiences. Bei transcript ist er u.a. Herausgeber der Reihe »migration – macht – bildung«.

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Auch Regime von Sichtbarkeit des Körpers, Transparenz und Kontrolle stört (Yeğenoğlu 1999; von Braun und Mathes 2007). 16 17:26 33 34 Schirin Amir-Moazami (2011) gäbe. Nun ist die Frage vor allem in ihrer ontologischen Tragweite als solche irreführend. Vor allem wenn wir das Säkulare in seiner Kontingenz und notwendigen Abhängigkeit zum Religiösen begreifen, kann es den säkularen Körper nur in Relation zum religiösen Körper geben. : 634) sei, eine Antwort zu voreilig vorwegzunehmen. Denn gerade wenn wir das Säkulare als vom Religiösen abhängig begreifen, trägt auch diese Behauptung leichtfertig dazu bei, die säkulare Matrix zu naturalisieren, anstatt ihren komplexen Operationen gerade in ihren verkörperten Anlagerungen nachzugehen.

Während dem Christentum und seinen buddhistischen Freunden ›weltreligiöser‹ Universalitätsanspruch zugesichert wurde, wurde das Judentum seiner universellen Ambitionen entledigt und zur ›Diaspora‹, ›Minderheit‹ bzw. nach und nach zur naturalisierten ›Rasse‹. Der Islam indes wurde als unbeweglicher, inhärent politischer und zivilisierungsbedürftiger Gegenpart zum universalisierbaren Christentum entworfen, das durch Selbstkritik und Reflexivität die Regeln der Aufklärung verinnerlicht und verdaut zu haben meinte.

In der »Anthropologie in pragmatischer Hinsicht« schließlich ist in einer Fußnote gar von den »unter uns lebenden Palästinern« die Rede, einer »Nation von Betrügern« (Kant 1964a: B129-132). Man mag das alles dem empirischen Menschen Kant zurechnen – wie verhielt sich sein systematisches Denken zum Judentum? Vor allem: wie sollen wir heute – nach der Massenvernichtung der europäischen Juden – einen Satz lesen, der sich in Kants nachgelassenen Reflexionen zur Moralphilosophie findet: »Die Euthanasie des Judentums ist die reine moralische Religion mit Verlassung aller Satzungslehren, deren einige im Christentum noch zurück behalten bleiben müssen« (Kant 1964b: A81).

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